Christus als Fels in der Wüste?

Wolfgang Schneider

Stand: 2021-01-18 12:24

Eine weitere Stelle, die des öfteren von Vertretern der Trinitätslehre bzw. einer realen Präexistenz Jesu als eines lebendigen Wesens angeführt wird. findet sich in 1. Korinther 10.

1. Korinther 10,04
und haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken nämlich von dem geistlichen Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus.

Es wird nun gelehrt, dass ja Christus bereits zur Zeit, als die Israeliten beim Auszug aus Ägypten durch die Wüste zogen, irgendwie "geistlich" lebte und hinter den Israeliten folgte als ein geistlicher Fels. Da er ja zu der Zeit noch nicht Mensch geworden war, muss er wohl als Gott in Gestalt eines Felsens die Israeliten durch die Wüste begleitet haben und sie so anscheinend mit Wasser zum Trinken versorgt haben? Ich würde sagen, solcherlei Auslegungen und Ideen sind sehr "merkwürdig" und werden dem Text in keiner Weise gerecht.

Um besser zu erkennen, wovon dieser Vers in 1. Korinther 10 handelt, sollte man zunächst in Betracht ziehen, was im unmittelbaren Kontext dargelegt ist. Was erwähnt Paulus hier und worum geht es?

1. Korinther 10,1-6
1 Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit darüber lassen, daß unsre Väter alle unter der Wolke gewesen und alle durchs Meer gegangen sind;
2 und alle sind auf Mose getauft worden durch die Wolke und durch das Meer
3 und haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen
4 und haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken nämlich von dem geistlichen Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus.
5 Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie wurden in der Wüste erschlagen.
6 Das ist aber geschehen uns zum Vorbild, damit wir nicht am Bösen unsre Lust haben, wie jene sie hatten.

Es geht um die Israeliten und Dinge, die sich beim Auszug aus Ägypten ereigneten und nun den Gläubigen in Korinth als Beispiel, als Vorbild, gegeben werden, welche Konsequenzen der Unglaube der Israeliten damals für sie hatte, obwohl Gott sie verschiedentlich auf wundersame Weise versorgte.

Paulus nimmt indirekt in seinen mahnenden Worten Bezug darauf, wie Gott u.a. auf wundersame Weise die Israeliten versorgte, wobei hier nun deutlich wird, dass es offenbar bereits damals nicht einfach nur um die Versorgung mit physischer Speise (vgl. die Begebenheit mit dem Manna) und physischem Trank (vgl. die Begebenheit, als sie in der Wüste auf eine Wasserquelle stießen, als Mose mit seinem Stab durch ein Wunder die von Sand bedeckte Steinplatte ("Fels") Abdeckung eines Brunnens fand. Ja, diese Speise und dieser Trank waren zum physischen Überleben in der Wüste für die Israeliten wichtig. Das war aber nicht alles, was sich in diesem Zusammenhang ereignete.

Von weit größerer Bedeutung war Israels Auszug aus Ägypten im Hinblick auf die weitere Erfüllung von Gottes Plan, dass der verheißene Messias aus ihnen hervorgehen sollte. Gottes Treue zu seinen Verheißungen bzgl. des kommenden Messias, des Christus war weit entscheidender, und die Israeliten waren offenbar nicht in Unwissenheit, da sie schon seit den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob um diese Verheißung Gottes wussten. Diese Botschaft des kommenden Erlösers, des Christus, war die zentrale Wahrheit, an der sie im Glauben festhalten sollten, wie auch ihre Erzväter getan hatten.

Die frohe Botschaft bzgl. Christus war somit die geistliche Speise und der geistliche Trank, um die es hier geht.

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