Kann Gott Mensch werden?

Wolfgang Schneider

Stand: 2013-04-16 14:53

Die Vertreter der Trinitätslehre stützen sich in ihren Behauptungen bzgl. Jesus meist auf das Konzept der "Menschwerdung Christi", wobei sie allerdings eigentlich eine "Menschwerdung Gottes" meinen. Sie gehen nämlich davon aus, dass Jesus Christus vor seiner Empfängnis und Geburt, also vor seinem  Dasein als Mensch, bereits im Himmel als Gott gelebt hat.  Diese Lehre besagt also letztlich, Gott habe sich seiner göttlichen Attribute entleert und sei Mensch geworden.

Als "Belegstelle" muss dabei eine Aussage im Brief des Paulus an die Philipper herhalten. Dort lesen wir u.a. folgendes:

Phil 2,6-7
6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Diese Verse werden aus dem Zusammenhang gelöst und für sich dann wie folgt interpretiert:

"Christus war Gott, somit war es für ihn auch kein Raub, Gott gleich zu sein. Er entäußerte (entleerte) sich dann seiner göttlichen Attribute und wurde ein Mensch, ein Knecht, und war in allem nun den Menschen gleich und wurde als Mensch erkann."

Allerdings ist das nun gar nicht, worum es hier in Philipper 2 im Kontext geht. Inhaltlich beginnt der Abschnitt in Vers 5, wo wir eine Ermutigung an die Gläubigen lesen:

Phil 2,5  (Lu 84)
Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:

Ein wenig genauer entsprechend dem griechischen Urtext lautet der Vers:

Phil 2,5  (Lu 1545)
Ein jeglicher sei gesinnet, wie JEsus Christus auch war,

Der Apostel Paulus  beginnt hier einen Abschnitt mit der Ermahnung bzw Ermutigung an die Gläubigen, sie sollten in ihrer Gesinnung so sein, wie es Jesu Gesinnung entspricht.  Jesu Gesinnung als Mensch (!) wird dann als Beispiel angeführt, um zu zeigen, bis zu welchem Ausmaß er willig war, in Demut und Sanftmut gegenüber Gott seine eigenen Interessen zurückzu stellen und für andere da zu sein und anderen zu dienen.

Die dann folgenden Verse zeigen uns Jesu Gesinnung, die er als ein Mensch hatte.  Obgleich er als Gottes eingeborener Sohn mit göttlicher Autorität ausgestattet war und in dieser auch handeln konnte, dachte er nicht von sich selbst als Gott bzw. wollte er nicht und griff auch nicht als Raub danach, Gott gleich sein -- wie es übrigens der erste Mensch Adam getan hatte !! -- vielmehr machte er sich selbst zum Knecht, zum Diener anderer, und das bis hin zum größten Opfer, nämlich dem Opfer seines eigenen Lebens als Sühneopfer für die Sünden anderer. Warum tat er dies? Warum war er so gesinnt? Nicht deshalb, weil er sich von Gott zu einem Menschen verwandelt hatte, sondern weil er als Mensch seinem Gott gehorsam war und nicht seinen eigenen Willen, sondern Gottes Willen ausführte.

Diese Stelle in Philipper 2 handelt gar nicht davon, dass Gott sich seiner göttlichen Eigenschaften entäußert hat, um ein Mensch zu werden.

Es ist möglich, diese FAQ zu kommentieren.

FAQs in dieser Kategorie