Glaubensbekenntnis oder Liebe als Erkennungszeichen?


Für viele Christen scheint bei ihrer Entscheidung, mit welchen anderen Christen sie Gemeinschaft pflegen wollen eine Sache sehr im Vordergrund zu stehen:  das Glaubensbekenntnis der jeweiligen Kirche, Konfessionsgemeinschaft, Gruppe oder Gemeinde.  Man will sich anhand des Glaubensbekenntnisses sozusagen "versichern", dass man in der richtigen Gemeinde ist, dass man es mit einer wahren christlichen Gemeinschaft zu tun hat, dass man mit gleichgesinnten Gläubigen in Kontakt ist.  Man nimmt ja von sich selbst meist an, dass man über die rechte Erkenntnis der biblischen Schriften - zumindest bzgl. der Wahrheiten, die man als entscheidend fürs Christ sein  betrachtet - verfügt,  und man will selbstverständlich nicht mit "Andersgläubigen" zu tun haben, wenn sich's irgendwie vermeiden lässt.  

Was und wie Leute glauben, definiert sich da meist aus dem Glaubensbekenntnis, und fast alle Kirchen, Konfessionsgemeinschaften, Gemeinden und Gruppierungen haben daher für sich jeweils ein solches Glaubensbekenntnis erstellt, in dem sie solch grundlegende biblische Erkenntnis zu ihnen wichtigen Punkten festgeschrieben haben. So wird das Glaubensbekenntnis mehr oder minder zur wichtigsten Sache im Hinblick darauf, wie sich eine Kirche, Konfessionsgemeinschaft, usw. definiert und darstellt. 

Das jeeweilige Glaubensbekenntnis ist damit de facto zum  Erkennungszeichen der jeweligen Gruppe von Gläubigen geworden, und anhand eines Vergleichs mit diesem Erkennungszeichen, werden Leute dann auch schnell in eine entsprechend passende "Gemeindeschublade" verfrachtet.  Ist aber ein solches Glaubensbekenntnis überhaupt das, woran Menschen die Nachfolger Christi erkennen sollen?

Johannes 13,34 und 35:
Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.
Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Hier wird von Jesus selbst erwähnt, woran seine Nachfolger, seine Jünger zu erkennen sein sollten. Das Erkennungszeichen der Christen ist, „wenn ihr Liebe untereinander habt.“  Jesus geht es nicht um absolut rechte Erkenntnis und korrektes Verständnis der Schrift in allen Dingen, oder dass alle Jünger über das gleiche biblische Wissen verfügen, noch geht es ihm darum, alle möglichen anderen Dinge zu haben.

Die eine Sache, die Jesus ihnen als ein neues Gebot gebietet ist, dass sie sich untereinander lieben sollten, wie er sie geliebt hatte! Sie sollten sich untereinander so lieben, wie sie von ihm geliebt worden waren.

Wie hatte er sie geliebt? Hatte er seine Liebe davon abhängig gemacht, dass sie zunächst einmal ein Glaubensbekenntnis  unterschreiben mußten?  Hatte er seine Liebe zu ihnen eingeschränkt oder gar verweigert, wenn sie in manchen Punkten nicht über ein rechtes Verständnis der Schrift verfügten, und womöglich vergessen hatten, was sie während ihrer Kindheit zu Hause von ihren Eltern aus dem AT gehört und gelernt hatten? 

Hatten sie manchmal mit ihrer Erkenntnis und ihrem Handeln falsch gelegen?  Hatten Sie überhaupt je eine genau gleiche Erkenntnis oder ein genau übereinstimmendes Verständnis dessen, was sie aus den AT Schriften gelernt hatten oder dessen, worin Jesus sie unterwiesen hatte? Die Antwort ist jeweils offensichtlich: Nein, sie waren nicht auf dem gleichen Kenntnisstand, hatten nicht unbedingt das gleiche Verständnis, sondern unterschieden sich darin individuell jeweils voneinander. 

Was nun hatte Jesus mit ihnen getan und wie hatte er sie geliebt?  Er hatte ihnen beständig Gottes Wort dargereicht und vorgelebt. Er hatte Gottes Gebote gehalten und hatte ihnen viel gegeben.Er hatte sie beständig unterwiesen und war bemüht, ihren Mangel an Erkenntnis und Verständnis durch seine Lehre und sein Beispiel zu beheben und sie Schritt für Schritt zur Erkenntnis der Wahrheit hin zu führen. Manchmal schienen seine Bemühungen gar vergebens, da die Jünger nicht verstanden bzw. völlig erkannten, was Jesus sie gelehrt hatte. Jesus gab jedoch nicht auf, sondern unterrichtete sie weiter und ließ ihnen weitere Unterweisung zuteil werden, so dass sie falsches Verständnis und Fehlverhalten einsehen und dann korrigieren konnten. 

Nur kurz zuvor hatte er ihnen die Füße gewaschen und ihnen im Dienen ein Beispiel der Liebe gegeben. Darin zeigte sich, wie er sie liebte. So sollten sie auch dann einander lieben.  Die Liebe untereinander zeigt sich im füreinander sorgen und einander dienen.

Dieses einander lieben und einander dienen sollte  in der Gemeinde Gottes, in der biblischen Gemeinde des Leibes Christi, eigentlich das wesentliche Element und das Zeichen sein, an welchem die Jünger Jesu, die Gläubigen an Christus Jesus, erkannt werden können.  Das Erkennungszeichen von Christen ist nicht ein konfessionelles Glaubensbekenntnis, sondern die Liebe, welche die einzelnen Gläubigen untereinander haben ... auch über die durch menschliche Institutionalisierung samt Glaubensbekenntnissen aufgerichteten Grenzen hinweg.

Letzte Änderung:
2013-02-19 10:08
Verfasser:
Wolfgang Schneider

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