Römer 13,1ff - der Regierung bedingungslos unterordnen?

Wolfgang Schneider

Stand: 2020-02-27 18:18

Nach Meinung zahlreicher Christen und weit verbreiteter Lehre in unterschiedlichsten christlichen Gemeinden geht es im Kontext von Römer 13,1ff   darum, wie wir als an Christus Gläubige  uns staatlicher Gewalt gegenüber verhalten sollen.  Ist das aber tatsächlich aus dem Bibeltext heraus das, was dieser Abschnitt lehrt? Viele Christen  interpretieren dann Röm 13,1ff auch noch so, als müssten Christen quasi jeder staatlichen Gewalt/Obrigkeit/Regierung  bedingungslos untertan sein und sozusagen blind gehorchen.  Leider bemerken sie das Dilemma nicht, in welches sie sich selbst manövrieren bzw. merken zu spät, dass Staat und Obrigkeit möglicherweise Dinge tun, die göttlichen Prinzipien und Geboten widersprechen ... und zu spät denken sie dann vielleicht an die Aussage der Apostel bzgl. der Wahrheit, Gott mehr zu gehorchen als Menschen (vgl. Apg 5,29).

Ich habe hierzu einen Artikel veröffentlicht unter dem Titel "Obrigkeit" = staatliche Gewalt?, in welchem ich aus dem Zusammenhang in Römer 12 - 15 darlege, was es meinem Verständnis nach mit der von Paulus angesprochen "Obrigkeit" in diesem Abschnitt zu tun hat.  Aus dem Kontext ergibt sich, dass hier gar nicht von staatlicher Obrigeit die Rede ist, sondern - wie im Gesamtzusammenhang des Abschnitts von Kapitel 12 - 15 - von Obrigkeit innerhalb der Gemeinde. Um "Gewalt" in unserem heutigen allgemeinen Sinne geht es sowieso nicht, sondern um von Gott angeordnete Autorität innerhalb der von Gott vorgesehenen Ordnung innerhalb der Gemeinde usw.

Ein Gemeindeleiter sollte sich der ihm von Gott eingeräumten Autorität und Vollmacht bewusst sein und entsprechend handeln, und insbesondere sich nicht verleiten lassen zu meinen, seine eigenen Vorstellungen von "Absolutismus" in punkto Autorität in der Gemeinde seien identisch mit dem, was Gott vorgesehen hat. Dann werden sich auch die Glieder in der Gemeinde gerne unterordnen und die entsprechende Autorität zum Wohle und Segen der Gemeinde gerne anerkennen.

Welche persönlichen Präferenzen ein Glied in der Gemeinde zu Themen des täglichen Lebens hat (wie etwa Politik, etc), hat zunächst in den allermeisten Fällen vermutlich keinerlei Bedeutung für das Gemeindeleben und das Leben der Person als Christ. Ein jeder sollte diesbzgl. in voller Überzeugung handeln können und frei sein, eigenverantwortlich sein Leben nach seinen Überlegungen und Entscheidungen zu gestalten.

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