Was hat es mit der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer auf sich?

Wolfgang Schneider

Stand: 2020-03-06 18:40

In zahlreichen christlichen Kirchen und Gruppen wird im Zusammenhang mit dem Thema "Buße tun" und "Wassertaufe" recht oft Bezug genommen auf die biblischen Berichte über Johannes den Täufer, der die Taufe zur Buße und Vergebung der Sünden predigte und auch im Jordan dann durchführte. Da sich Menschen nicht immer so einfach davon überzeugen lassen, ein Taufritual in Wasser bzw. in einem Gewässer über sich ergehene zu lassen, nutzen Prediger und Tauflehrer dann verschiedenste Taktiken und Interpretationen bzgl. dessen, was die Bibel zu Wassertaufe berichtet.

 Einen besonders wichtigen Platz nimmt dabei auch der Hinweis ein, auch Jesus habe sich ja von Johannes dem Täufer im Wasser des Jordan taufen lassen. Wenn also doch der Herr Jesus dem Gebot Gottes gehorsam war und sich in Wasser taufen ließ, werr sind wir, uns einer solchen Wassertaufe zu verweigern ?  Klingt wie ein sehr gutes Argument, und natürlich wird sich niemand, der fortan in seinem Leben als sein Jünger Christi leben und dem Beispiel seines Herrn folgen will, sich Jesu oder Gottes Gebot bzw. Beispiel widersetzen.

Allerdings stellt sich zunächst einmal eine ganz andere Frage:  Lehren diese Tauflehrer und Prediger überhaupt das, was die biblischen Berichte über die sogenannte "Taufe Jesu durch Johannes den Täufer" sagen? Oder mißbrauchen sie womöglich die biblischen Aussagen, um ihre bestimmte Kirchenlehre und ihr spezielles Taufdogma durchzusetzen und andere gegen deren fragenden Gedanken und Überzeugung zu einer Wassertaufe zu bewegen?

Was hat es überhaupt mit dieser "Taufe Jesu durch Johannes" im Jordan auf sich?  Laut dem Bericht im Hebräerbrief war Jesus ohne Sünde und beging auch keine Sünde, warum also sollte er überhaupt von Johannes dem Täufer zur Vergebung der Sünden und Buße getauft werden? Bei diesem Ereignis kann es sich allein schon wegen dieser Wahrheit gar nicht um eine Taufe im Zusammenhang mit Buße und Vergebung von SÜnden gehandelt haben!

Wir wollen uns einige der biblischen Aussagen zu diesem Thema etwas genauer anschauen, um die darin dargelegten Wahrheiten korrekt zu verstehen.

 Johannes der Täufer und sein Taufen

 Zunächst eine biblische Aussagen zur Taufe, die Johannes predigte und praktizierte.

Mk 1,4
Johannes der Täufer war in der Wüste und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

 Der biblische Bericht aus Sicht des Evangelisten legt in einfachen und klaren Worten dar, dass die Taufe des Johannes eine Taufe für bußfertige Sünder im Zusammenhang mit der damit verbundenen Vergebung  ihrer Sünden war. Es war keine Taufe, mittels der man in eine Kirche oder Gruppe initiiert wurde. Es war auch keine Taufe für Sünder,  die keine Reue und Buße zeigten. Und schon gar nicht war es ein Ritus, dem sich jemand ohne Sünde unterziehen sollte, da in einem solchen Fall ja gar keine Notwendigkeit für Buße und Vergebung von Sünden vorlag.

Mt 21,25
Woher war die Taufe des Johannes? War sie vom Himmel oder von den Menschen? Da bedachten sie's bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie war vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?

 Die Taufe des Johannes war von Gott angeordnet und Johannes der Täufer hatte diesen Auftrag Gottes, eine Taufe zur Buße zu predigen und reuige SÜnder zu taufen zur Vergebung ihrer Sünden.

Apg 19,4
Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und dem Volk gesagt, sie sollten an den glauben, der nach ihm kommen werde, nämlich an Jesus.

 Bemerkenswert in dieser Aussage des Apostels Paulus, in welcher er  Worte von Johannes dem Täufer selbst aufgriff (vgl.  Lukas 3,16), ist der Hinweis darauf, dass die Wassertaufe des Johannes lediglich seinen Dienst und seine Mission betraf. Nach Johannes dem Täufer würde ein anderer - der Messias Jesus - kommen, an den dann die reuigen Sünder glauben sollten.

Lk 3,16
antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, daß ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.

 Johannes der Täufer selbst bestätigt ebenfalls mit klaren Worten, dass die Wassertaufe spezifisch für sein Amt und seinen Dienst als sWegbereiter für dene Messias Jesus war. Mit Jesus und dessen vollendetem Erlöserwerk würde die Wassertaufe des Johannes ihren Zweck erfüllt und von der Taufe mit heiligem Geist, welche Jesus bewirkt, abgelöst werden. Jesus würde nicht mit Wasser taufen, sondern "mit heiligem Geist und mit Feuer".

Jesus wurde aber doch von Johannes in Wasser "getauft", oder nicht?  

Mt 3,13
Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe.

 Diese Aussage und ähnliche, die erwähnen, Jesus sei von Johannes "getauft" worden, scheinen völlig widersprüchlich zu dem, was wir bisher über die Taufe des Johannes gelesen haben, wenn wir berücksichtigen, was in Hebräer 4 über Jesus gesagt wird.

Hebr 4,15
Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.

 Da Jesus ohne Sünde war, trotz aller Versuchungen nicht gesündigt hat,  ist es unmöglich, dass Jesus zu Johannes kam, um Sünden zu bereuen und Buße zu tun und sich von Johannes taufen zu lassen zur Vergebung der Sünden.

Hier liegt augenscheinlich ein Widerspruch vor, und es stellt sich nun die Frage, was diesen scheinbaren Widerspruch verursacht.  Die Aussagen und die darin erwähnten Details sind eigentlich in sich einfach und klar. 

Was bleibt, ist die Möglichkeit einer unklaren Übersetzung von Begriffen aus den biblischen Urtexten, und da ergibt sich bereits in dem an allen Stellen gleich übersetzten Wort "taufen" der Ansatz zur Lösung des scheinbaren Widerspruchs. Das griechiche Wort βαπτίζω bedeutet "taufen, untertauchen; (rituell) waschen" (vgl. Kassühlke, R., & Newman, B. M. (1997). Kleines Wörterbuch zum Neuen Testament: Griechisch-Deutsch (p. 33). Deutsche Bibelgesellschaft). Das Wort kann also nicht nur im Kontext einer "Taufe", etwa im Sinne der "Taufe des Johannes zur Buße und Vergebung der Sünden" benutzt werden, sondern auch in anderen Zusammenhängen, die von einer "rituellen Waschung" handeln. Solche rituellen Waschungen werden z.B. erwähnt im Zusammenhang mit Salbungen von Königen, Propheten, oder auch dem Hohenpriester.   Rituelle Waschungen waren auch beständiger Teil beim AT Gottesdienst.

 Gibt es in den biblischen Berichten Hinweise auf möglicherweise eine Verbindung zwischen Jesus und einer Salbung für ein Amt, welches eine solche Waschung erforderte?  Nun, wir haben bereits in Hebräer 4 gelesen, dass Jesus im Amt des Hohenpriesters eingesetzt ist. Wir wissen aus anderen Berichten, dass der Messias Jesus der König im Reich Gottes ist, und wir erfahren auch an anderer Stelle, dass Jesus der Prophet wie Mose war, den Gott seinerzeit verehißen hatte.

Könnte es sein, dass dieses Ereignis, von dem uns in den Evangelien berichtet wird, als Jesus unmittelbar vor seinem öffentlichen Wirken zu dem Propheten Jophannes dem Täufer an den Jordan kam, um sich vor seiner Salbung bei Johannes einer vom Gesetz notwendigen rituellen Waschung zu unterziehen? 

Der Schlüssel zu einem rechten Verständnis ist wohl eine Aussage des Apostels Petrus einige Jahre nach dem Ereignis am Jordan, als er im Hause des Kornelius auf dieses Ereignis Bezug nahm.

Apg 10,38
wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm.

 Wenn wir nun z.B. einen Bericht aus Johannes 1 hinzunehmen, wird deutlich, dass diese Salbung Jesu mit heiligem Geist und Kraft mit jenem Ereignis am Jordan identisch ist.

Joh 1,32-33
32 Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.
33 Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft.

 Jesus wurde damals von Gott, seinem Vater, mit heiligem Geist und Kraft gesalbt, und mit dieser Salbung ging eine gemäß AT Gesetz notwendige rituelle Waschung einher.

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