Joh 3,13 - wann ist Jesus in den Himmel aufgefahren?

Wolfgang Schneider

Stand: 2013-02-28 08:50

Eine kontroverse Schriftstelle mit einer Aussage über Jesus findet sich in Joh 3.

Joh 3,13
Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.

Diese Aussage steht in einem Abschnitt, der uns von einer Unterredung Jesu mit Nikodemus berichtet. Auf den ersten Blick erscheint es, als hätte Jesus hier in seinen Worten an Nikodemus eine Aussage über sich selbst gemacht, die  so nicht stimmen kann, denn wie sollte Jesus bereits zu diesem Zeitpunkt in den Himmel aufgefahren sein, wie es im ersten Teil dieser Aussage zum Ausdruck kommt, wo er doch offensichtlich hier auf Erden war und sich mit einem anderen Menschen unterhielt?

Viele Ausleger versuchen, anhand der Worte "der vom Himmel gekommen ist" im zweiten Teil dieser Aussage zu argumentieren, dass Jesus vor seinem Leben als Mensch auf Erden in irgendeiner anderen Form im Himmel gelebt habe (vgl. verschiedene Lehren über die sogenannte "Präexistenz Jesu"). Analog dazu wird dann behauptet, Jesus habe hier quasi gleichzeitig als Mensch auf Erden und als Gott im Himmel gelebt (existiert) und somit aus beiden Perspektiven gesprochen. Derartige Vermutungen stehen allerdings im Widerspruch zu dem, was uns die biblischen Schriften über den Messias Jesus berichten.

Wie aber löst sich dann der scheinbare Widerspruch zwischen dieser Aussage und der aus dem unmittelbaren Kontext ersichtlichen Tatsache, dass Jesus zu dem Zeitpunkt noch nicht in den Himmel aufgefahren war, sondern dies erst 40 Tage nach seiner Auferstehung erfolgte, wie wir in Apg 1 lesen?

Die Lösung ergibt sich relativ einfach, wenn wir beachten, dass dieser Vers als eine Art erklärender Einschub aus der Sicht des Evangelisten zum Zeitpunkt der Aufzeichnung des Evangaliums in den Ausführungen Jesu an Nikodemus steht.  Sprachlich handelt es sich um das Stilmittel bzw. die Redefigur Parenthese. Heute wird dies oft als "Einschub in einer ( ) Klammer" bezeichnet.  Da Übersetzer offenbar aufgrund ihrer theologischen Überzeugungen und/oder ihres Verständnisses des Abschnitts die Aussage in Vers 13 nicht als solchen Einschub markierten, ergibt sich das logische Problem und der erwähnte scheinbare Widerspruch.

Joh 3,11-15
11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an.
12 Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage?
( 13 Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.)
14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden,
15 damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Wird der Einschub korrekt erkannt und markiert, ist der Widerspruch behoben. Wir können sehen, wie der Evangelist durch den Einschub etwas näher erläutert, wie Jesus sagen konnte, dass er den Menschen von "himmlischen Dingen" sagen konnte ... weil er nämlich von Gott gesandt war ("vom Himmel herabgekommen ist"), von Gott Offenbarung erhielt mittels des Geistes Gottes, der seit der sogenannten Taufe Jesu im Jordan auf ihm war, und nun in allem Gottes Willen und Gottes Weisheit verkünden konnte. Mit dem Einschub bezeugt der Evangelist Johannes, dass dieser Jesus, der hier mit Nikodemus redete und von himmlischen Dingen sagen konnte, zwischenzeitlich in den Himmel aufgenommen worden war. 

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