Was hat Christus mit Weihnachten zu tun? (*)

Wolfgang Schneider

Stand: 2019-12-15 19:07

Viele Menschen in westlichen Ländern mag die Frage über die Verbindung zwischen Christus und Weihnachten etwas merkwürdig und unsinnig vorkommen, denn immerhin (so werden sicher viele einwenden) ist "Weihnachten" doch das "Fest der Geburt Christi" ... oder etwa nicht? "Weihnachten" ist in den westlichen und in vorwiegend christlichen Ländern eines der drei großen religiösen Feste im Jahreskreis, und viele Christen verbinden mit "Weihnachten" lediglich das Gedenken an die Geburt Jesu, in Übereinstimmung mit der Lehre, wie sie die großen christlichen Kirchen vorgeben. Sicher, es gibt gewisse Unterschiede bzgl. des Datums (25. Dezember / 6. Januar) zwischen den Römisch-Katholischen bzw. protestantischen Kirchen einerseits und den Orthodoxen Kirchen andererseits, aber beide Richtungen verkünden die Geburt Jesu in Verbindung mit der Jahreswende in der winterlichen Jahreszeit.

Bemerkenswert hierbei ist die Tatsache, dass die christlichen Kirchen zwar allgemein die Geburt Christi mit Weihnachten in Verbindung bringen, dann aber andererseits sogar offen eingestehen, dass der Zeitpunkt von Weihnachten (also das Fest am 25. Dezember) mit ziemlicher Sicherheit eigentlich nicht der Tag von Christi Geburt gewesen sein kann. Sie räumen sehr wohl ein, dass dieser Zeitpunkt im Winter erst einige Jahrhunderte n.Chr. von der Kirche als Fest im Gedenken an die Geburt Christi eingerichtet wurde.

Die Verbindung von Weihnachten und dem 25. Dezember mit der Geburt Christi geht zurück und steht im Zusammenhang mit dem im Römischen Reich gefeierten Fest zu Ehren von "Sol Invictus" (der "unbesiegbaren Sonne" bzw. dem "unbesiegbaren Sonnengott"), der von Kaiser Aurelian im Jahre 273 n.Chr. als Reichsgott eingesetzt worden war. Dieses "Sol Invictus" Fest war am 25. Dezember, es war der Höhepunkt eines Monats mit mehreren heidnischen Festen. Der römische Papst setzte dann im Jahre 354 n.Chr. (manche Quellen haben 353 n.Chr.) dieses Fest als Fest im Gedenken an die Geburt Jesu auf den 25. Dezember fest. Wie einige historische Quellen andeuten, gab es zunächst offenbar ziemlichen Widerstand unter den Gläubigen gegen dieses Fest, da diesen die ursprüngliche Bedeutung des am 25. Dezember gefeierten Festes natürlich gut bekannt war.

Weihnachten wird dann schon sehr bald an verschiedenen Orten als Fest im Gedenken an die Geburt Christi gefeiert. Um 360 n.Chr. findet es Erwähnung in Nordafrika, um 370 n.Chr. wird das Fest in Oberitalien gefeiert, wenige Jahre danach in orientalischen Gemeinden und um 380 n.Chr. auch in Spanien. Auf dem Konzil von Konstantinopel unter Kaiser Theodosius im Jahre 381 n.Chr. wird die Bedeutung des Festes am 25. Dezember als Tag der Geburt Christi zum Dogma erklärt. In den nachfolgenden Jahrhunderten setzt sich dann der Brauch des Weihnachtsfests auch in anderen Gegenden durch, im 7./8. Jahrhundert auch in Deutschland. Im Jahre 813 wurde das Fest offiziell von der in Mainz tagenden Synode zum "festum nativitas Christi" erklärt.

Durch die Römisch-Katholische Kirche wurde schließlich das Weihnachtsfest über die gesamte Erde verbreitet. Allerdings erwähnt die Kirche in ihren Werken sehr wohl auch den eigentlich heidnischen Ursprung dieses Festes. Unter anderem heißt es in der Catholic Encyclopaedia (herausgegeb. 1911) hierzu unter dem Thema Weihnachten (Christmas): "Weihnachten zählte nicht zu den Festen der frühen Kirche ... erste Nachweise für das Fest kamen aus Ägypten. ... Heidnische Bräuche, die zeitlich um die Zeit des Januars lagen, wurden zu Weihnachten gemacht." Auch die Evangelische Kirche erwähnt in ihrem evangelischen Kirchenlexikon (1959) in Bd 3, S. 1742, folgende Informationen zum Ursprung von Weihnachten: "Die Kirche der Märtyrerzeit lehnte ein solches Fest entschieden ab im Hinblick auf die heidnischen Feste von Geburtstagen von Göttern samt Kulthandlungen, die bei diesen Festen vorgenommen wurden."

Allein schon diese Quellen machen deutlich, dass Weihnachten ursprünglich gar nichts mit Christus bzw. der Geburt Christi zu tun hatte. Es gibt Anzeichen dafür, dass die frühe Gemeinde, d.h. die Gemeinde zu Zeiten der Apostel und auch in den folgenden Jahrzehnten, den Geburtstag Jesu Christi offensichtlich nicht feierte. Erst im 4. Jahrhundert n.Chr. wurde schließlich das Datum eines wichtigen heidnischen Festes dann vom Papst zu Rom zum Tag des Gedenkens an die Geburt Christi bestimmt. Interessant und auch bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, was der im Jahr 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. kurz vor Weihnachten im Jahre 1993 zum Weihnachtsfest sagte: "Weihnachten ist nur eine Konvention. ... In heidnischer Vorzeit wurde an jenem Tag (25. Dezember), dem Tag der Wintersonnenwende, der Geburtstag der unbesiegbaren Sonne gefeiert." In seinen erklärenden Anmerkungen führte er dann weiter aus: "Den Christen erschien es logisch und naheliegend, dieses Fest durch die Feier zu Ehren der einzigen und wahren Sonne, Jesus Christus, zu ersetzen." Der Vatikan ließ in einer Pressemitteilung u.a. verlauten: "Das Weihnachtsfest taucht zum ersten Mal 354 (u.Z.) auf." Bzgl. des sogenannten Dreikönigstages am 6. Januar heißt es dann dort weiter: "Eine Vielzahl von Beweisen lässt den Schluss zu, dass die Wahl des 6. Januars einem römischen Gedenktag zuzuschreiben ist, ebenso wie die Feier der Geburt Jesu am 25. Dezember, der ein römischer Feiertag war. ... Tatsächlich haben Heiden in Alexandria in der Nacht vom 5. zum 6. Januar den Geburtstag des Gottes Äon (Gott der ewigen Zeit) gefeiert ..."

Wie man aus diesen Quellen sehr leicht erkennen kann, war Christus ursprünglich an Weihnachten in keiner Weise beteiligt. Wir sollten uns daher bewußt machen, dass das Weihnachtsfest eigentlich gar nichts mit Christus zu tun hat und dass es an diesem Tag auch keine Geburt Christi zu feiérn gibt. Wenn heute manche Christen und darunter auch führende Persönlichkeiten der großen Kirchen angesichts der kommerziellen Vermarktung von Weihnachten davon reden, Anstrengungen zu unternehmen, um Christus wieder in Weihnachten hinein zu bringen, so liegen sie damit eigentlich falsch, weil Christus ja nie Teil von Weihnachten war.

Was können wir als Christen nun angesichts dieser Situation tun, wenn wir uns in dieser Jahreszeit erneut mit Advent und Weihnachten konfrontiert sehen? Wir wollen ganz sicher nicht ein heidnisches Fest zu Ehren heidnischer Gottheiten feiern. Eine Möglichkeit, der Advents- und Weihnachtszeit eine nutzbringende Note abzugewinnen, könnte z.B. darin bestehen, dass wir als Christen die sich uns bietenden Gelegenheiten nutzen, um einerseits auf die wahren Hintergründe von Advent und Weihnachten hinweisen und dann vor allem die in den Schriften der Bibel offenbarten Wahrheiten bzgl. der Geburt Christi andern Menschen kundtun.

 

 

Fussnoten:

(*) Die hier dargelegten Informationen wurden aus unterschiedlichen allgemein zugänglichen Quellen im Internet zusammengetragen. Weitere und detailliertere Informationen sind leicht durch eine Suche nach Begriffen wie "Weihnachten" / "Ursprünge von Weihnachten" / "Weihnachtsbrauchtum", usw. im Internet zu finden.

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