Was hat Jesus vom Kreuz herab gesagt?

Wolfgang Schneider

Stand: 2020-03-22 08:21

Einige Kritiker weisen auf zwei Stellen in den Evangelien über Jesu Tod hin, und behaupten dann, die Berichte in Lukas 23 und Johannes 19 würden sich widersprechen, weshalb man allein schon deshalb den biblischen Berichten nicht glauben könne bzw. glaubene sollte.

Lukas 23,46
Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.

Johannes 19,30
Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

In der Tat werden von beiden Evangelisten hier unterschiedliche Worte Jesu vom Kreuz erwähnt.  Bedeutet das aber zwingend, dass sich die Berichte widersprechen?

Bei einer Studie der letzten Worte, die Jesus vom Kreuz herab sprach, ist zu beachten, dass in den Berichten in den vier Evangelien nicht unbedingt in allen vier Berichten haargenau die gleichen identischen Details über das Geschehen  aufgezeichnet wurden. Die vier Evangelien berichten sehr wohl über die gleiche identische Situation der Kreuzigung Jesus, aber das sheißt nicht zwingend, dass sie auch absolut die gleichen Details berichten. Vielmehr ergeben die vier Berichte zusammen ein in sich geschlossenes und miteinander in Einklang stehendes Gesamtbild.

Beide obige Aussagen aus den Berichten in Lukas 23 und Johannes 19 gehören zu den letzten Worten Jesu, die er kurz vor seinem Tode am Kreuz sprach. Die Evangelisten behaupten auch nicht, dies seien jeweils die einzigen Worte Jesu gewesen.  Die berichteten Worte wurden offensichtlich nicht "gleichzeitig" sondern nacheinander gesprochen.

Aus den Berichten in den vier Evangelien über die letzten Stunden des Leidens Jesu und die Hinrichtung genauer betrachtet,  erkennt man, dass Jesus mehrere Aussagen vom Kreuz herab machte.  Keines der vier Enangelien berichtet lückenlos alle, sondern die Worte, zu denene der Schreiber des Evangeliums inspiriert war und die für das Gesamtbild des jeweiligen Evangeliums von Bedeutung sind.  In dieser Situation vermitteln die vier Evangelien einzeln jeweils nur einen Teil dessen, was geschah. Betrachtet man nun die vier Berichte zusammen, ergibt sich ein schlüssiges Gessamtbild ohne jegliche Widersprüche.

Zunächst hat Jesus wohl das vom Kreuz herab gesprochen, was in  Matthäus 27,46 und Markus 15,34 berichtet wird.

Matthäus 27,46
Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Markus 15,34
Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

 Kurze Zeit darauf folgten dann vermutlich seine Worte an seine Mutter Maria und den neben ihr stehenden Jünger, die in Johannes 19,26-28 aufgezeichnet sind.

Johannes 19,26-28
26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!
27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
28 Danach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

 Es folgte dann noch ein lauter Ausruf, der in Johannes 19,30, Matthäus 27,50 und Markus 15,37 erwähnt wird, als Jesus wusste, dass er alles vollbracht hatte.

Johannes 19,30
Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

Matthäus 27,50
Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.

Markus 15,37
Aber Jesus schrie laut und verschied.

 Als allerletzte Worte folgten dann vermutlich die, von denen Lukas 23,46 berichtet.

Lukas 23,46
Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.

 

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